Digitalisierung im Verein – können wir einfach loslegen? Es kommt darauf an.

Wir alle nutzen die digitalen Medien. Ob privat, im Job oder in unserem Verein. Die digitale Welt ist in den Vereinen längst angekommen. Im privaten Bereich sind Smartphones, Tabletcomputer, Smart-TV, Speichermedien jeglicher Art selbstverständlich. Daneben nutzen wir soziale Netzwerke und bewegen uns im Internet. Wir machen Onlinebanking, spielen und lesen online und bestellen uns, was immer wir benötigen. Die Möglichkeiten scheinen grenzenlos zu sein. Das alles machen wir, weil wir es wollen. Wie ist es allerdings mit den Vereinen und die digitale Welt bestellt? Können wir einfach loslegen und alles digitalisieren.

Wie kann ein guter Start aussehen?

Frau und Mann
Sylvia und Ron

Wie können wir an dem anknüpfen, wo wir gerade stehen? Lassen Sie uns zwei Personen über die Schultern schauen. Sylvia und Ron engagieren sich seit vielen Jahren ehrenamtlich in einem Verein. Beide haben wichtige Vorstandsämter übernommen und stehen nun vor der Herausforderung, die Zusammenarbeit und die Kommunikation zukunftsfähig auszurichten. Beide Fragen sich: „Wo sollen wir beginnen? Es ist ein weites Feld.“

Sylvia hat vor kurzem einen Workshop besucht, in dem es um den Umgang mit Veränderungen ging. Sie erinnert sich, dass jede Veränderung oft damit beginnt, dass die bisherigen Muster durchbrochen werden müssen. Ron hat einen Artikel gelesen, in dem es um verschiedenen Dimensionen ging. Diese sind wichtig, um an dem anzuknüpfen wo der Verein gerade steht und wer noch alles berücksichtigt werden muss. Er nimmt sich einen Stift und beginnt 4 wichtige Dimensionen auf einem Blatt zu skizzieren.

Schaubild zum Vereinsumfeld: Raum, INhalt, Zeit, Sozial
Vereinsumfeld

Beide sehen sich das Bild an und denken sich: „Was sollten wir alles beachten?“

Inhalt: Welche Entscheidungen müssen wir im Vorstand oder im kompletten Verein treffen, um einen neuen Weg zu gehen?

Sozial: Wen müssen wir ganz gezielt ansprechen und einbinden? Wer kann uns dabei unterstützen?

Zeit: Wann wollen wir ganz konkret loslegen? Welche Schritte wollen wir mit welchem zeitlichen Abstand gehen?

Raum: Wie können wir am besten kommunizieren, wenn wir unsere räumlichen Gegebenheiten berücksichtigen? Welche Umgebung brauchen wir, damit unsere Ideen Wirkung entfalten können?

Diese Überlegungen sind für Sylvia und Ron wichtig, um einen wirkungsvollen Start zu setzen. Dabei ist ihnen ein hoher Grad an Transparenz wichtig. Die Vereinsmitglieder sollen zu jeder Zeit wissen, wo die Reise hingeht.

eine Frau namens Sylvia
Sylvia
ein Mann namens Ron
Ron

Beide schauen sich zufrieden an. Doch dann schaut Ron verwundert auf das Bild. „Was ist los?“ fragt Sylvia. Ron antwortet: „Wir wollten uns doch über die Digitalisierung in unserem Verein unterhalten?“ „Das machen wir doch die ganze Zeit.“ antwortet Sylvia.

Am Ende steht das Tool

Oft machen wir den Fehler, irgendwelche Tools zu benutzen und machen uns keine Gedanken darüber, was wir eigentlich wollen. Doch eigentlich steht das Tool immer am Ende. Erst kommen das Ziel (der Sinn/Nutzen), dann das Vorgehen und dann das Tool. Die Digitalisierung soll das Vereinsleben unterstützen und nicht für Mehrarbeit sorgen. Daher ist es wichtig, sich vorab ganz neutral Gedanken zu machen, wo die Reise hingehen soll und wie das Vereinsumfeld aussieht. Und genau das haben Sylvia und Ron gemacht. Sie haben Klarheit gewonnen. Jetzt können beide viel gezielter nach Tools Ausschau halten, um das Vereinsleben digital zu unterstützen. Einen interessanten Ansatz haben sie mit der Nutzung von digitalen Plattformen hier bereits gefunden.

Der Ausblick

Bei den nächsten Überlegungen wollen sie im Rahmen einer Klausurtagung unbedingt weitere Mitglieder einbinden, um besser zu verstehen, wie der Verein tickt. Beiden ist wichtig, dass sie den Menschen im Verein wieder in den Vordergrund stellen. Sylvia und Ron sind zuversichtlich und fühlen sich gut gewappnet. Was sie nun brauchen, ist Geduld

Quellverweis
Moderne Vereinsorganisation, Vereinsmanagement leicht gemacht, 2018, Falk Golinsky, ISBN: 978-3-662-56458-5, Kapitel 8 – Der Verein und die digitale Welt