Digitalisierung im Verein – Netzwerke, Beziehungen und Partnerschaften

Jetzt mal ehrlich, worum geht es eigentlich bei der Digitalisierung? Geht es um schnelle Mobilfunknetze oder den Breitbandausbau? Geht es darum möglichst viele digitale Tools zu nutzen? Oder geht es um den gläsernen Menschen? Tja, wenn sie diese Fragen stellen, hängt es ganz davon ab, wem sie die Fragen stellen. Jedoch sind sich viele einig: es geht um uns. Um uns Menschen. Und wenn es um die Digitalisierung in der Arbeitswelt geht, dann geht es um Netzwerke, Beziehungen und Partnerschaften. Diese drei Punkte sind doch genau das, was einen Verein auszeichnet. Vereint im Verein bedeutet, dass sich Menschen zusammenfinden, um gemeinsam ein Themenfeld zu fördern.

Digitalisierung im Verein - Netzwerke, Beziehungen und Partnerschaften im Verein
Netzwerke, Beziehungen und Partnerschaften im Verein

Wenn ich nun auf unsere Vereinsakteure schaue, dann sehe ich genau das. Sicherlich gibt es viele Möglichkeiten einen Verein zu strukturieren und Aufgaben zu managen, doch wie steht es zum Beispiel um die Beziehungen oder Partnerschaften im Verein?

Im letzten Zusammentreffen von Sylvia, Julia und Vera wurde genau das infrage gestellt. Was zeichnet eine gute Zusammenarbeit aus? Wenn uns die digitalen Tools die Aufgabenerledigung erleichtern, müssen wir uns fragen, wie wir die Aufgaben künftig managen werden. Hierzu bietet das Aufgabenboard und Personal Kanban gute Ansätze, die sofort anschlussfähig sind. Das bedeutet, dass der Umfang der eigentlichen Veränderung sich in Grenzen hält. Das bedeutet aber auch, dass neue Regeln für die Zusammenarbeit entstehen.

Doch was bedeuten nun Netzwerke, Beziehungen und Partnerschaft im Verein?

Netzwerke

Vernetztes Arbeiten bedeutet nicht, nur virtuell vernetzt zu sein. Sie kennen bestimmt Jemanden, der Jemanden kennt, der ihnen bei einem Problem weiterhelfen kann. Jetzt stellen sie sich vor, dass ihr Verein mit all seinen Mitgliedern ein großes Netzwerk darstellt. Wäre es da nicht sinnvoll, das vorhandene Potenzial zu nutzen? Genau hier ist die erste Herausforderung für sie. Herauszufinden, wozu ihr Verein mit seinem eigenen Netzwerk in der Lage ist. Das können sie nur durch Kommunikation, Wertschätzung und Respekt im Umgang mit den Menschen im Verein herausfinden. Hier können digitale Tools wie Kommunikationsplattformen die Verbindung herstellen. Anschließend ist die persönliche Kommunikation das Maß der Dinge. Vernetztes Arbeiten hilft ihnen weiter und sie nutzen das Wissen der Vielen. Wer sagt denn, dass der Vorstand alles alleine machen muss? Niemand.

Beziehungen

Welche Beziehungen pflegen sie in ihrem Verein? Damit meine ich keine Liebesbeziehungen. Dahinter steckt, wie sie miteinander umgehen. Hier ist insbesondere das analoge Miteinander ein wichtiger Punkt. Tauschen sie sich persönlich aus oder ist das tabu? Wird auch mal gelacht? Sind ihre Mitgliederversammlungen bitterernst oder herrscht eine freundliche Atmosphäre? Wie viel Beziehung ist möglich? Unsere Vereinsakteure pflegen einen guten Umgang miteinander und treffen sich auch außerhalb des eigentlichen Vereinsgeschehens. Das bedeutet jetzt nicht, dass sie mit allen dicke Freunde werden sollen. Das bedeutet, dass sie sich gegenseitig Vertrauen und sich aufeinander verlassen können. Das macht eine gute Beziehung aus. Oder?

Partnerschaft

Wo ist der Unterschied zur Beziehung? Bei der Beziehung geht es um die Art und Weise wie wir mit einander umgehen. Bei der Partnerschaft aus Sicht der Zusammenarbeit, geht es darum, gemeinsam an einem Thema zu arbeiten. Oft finden wir diesen Begriff in der Geschäftswelt wieder. In Fernsehserien sind es oft Polizisten, die mit ihren Partnern auf Streife gehen. Dabei verbringen sie viel Zeit miteinander und arbeiten für das gleiche Ziel. In einem Verein ist es genau so. Vereint im Verein bedeutet, mit vielen Partnern zusammenzuarbeiten, um den Vereinzweck zu realisieren. In der digitalen Welt erfolgt das unter anderem in einem Netzwerk.

Vertrauen als Basis

All das kann nur gelingen, wenn das erforderliche Vertrauen, als Basis für das gemeinsame Engagement vorhanden ist. Dabei ist nie die Rede von Hierarchie. Ich bin überzeugt davon, dass organisatorische Modelle der Aufbauorganisation ihre Berechtigung besitzen. Ich bin jedoch auch davon überzeugt, dass die jeweiligen Modelle die Entwicklung des Vereins nicht lahmlegen dürfen. Die Struktur bietet die erforderliche Stabilität, die es braucht, um neue Wege zu gehen. Die Digitalisierung gibt ihnen und dem Verein genau den Impuls, um es anzugehen. Deshalb geht es bei der Digitalisierung um mehr als nur guten Handyempfang. Es geht um unsere zukünftige Zusammenarbeit im Verein. Die erforderlichen Regeln für das künftige gemeinsame Engagement entstehen aus dem Wirken der Menschen. Sie entstehen nicht durch einen Vorstandsbeschluss, sondern aus der Zusammenarbeit selbst.

Fazit

In Zeiten der Digitalisierung sind Netzwerke, Beziehungen und Partnerschaften wichtiger den je. Wie sieht es in ihrem Verein aus? Arbeiten sie in einem Vereinsnetzwerk mit guten Beziehungen und Partnerschaften? Woran können sie das erkennen? Was macht ihren Verein so besonders? Versuchen sie diese Fragen für sich und ihren Verein zu beantworten. Vielleicht entdecken sie die nächste Herausforderung, die sie gemeinsam angehen können.

Quellverweis
Moderne Vereinsorganisation, Vereinsmanagement leicht gemacht, 2018, Falk Golinsky, ISBN: 978-3-662-56459-2_5, Kapitel 5 – Die Aufbauorganisation im Verein
Moderne Vereinsorganisation, Vereinsmanagement leicht gemacht, 2018 Falk Golinsky, ISBN: 978-3-662-56459-2, Kapitel 9 – Der Mensch im Verein
Moderne Vereinsorganisation, Vereinsmanagement leicht gemacht, 2018, Falk Golinsky, ISBN: 978-3-662-56458-5, Kapitel 8 – Der Verein und die digitale Welt